HELI DROPS AND STEEP SHOTS! | knechtreisen Spezialist Reiseblog
HELI DROPS AND STEEP SHOTS!

HELI DROPS AND STEEP SHOTS!

Heliskiing

12.Dezember 2016 - 19.Dezember 2016

HELI DROPS AND STEEP SHOTS!

Das Vorprogramm

Freitagabend. Ein letztes Mal die Packliste checken. Alles ist im Koffer und die Vorfreude steigt. Nur noch einmal schlafen, dann geht es los. Via London fliegen wir im Dreamliner von Air Canada ganz entspannt nach Calgary. Erster Eindruck: Eiseskälte von minus 30 Grad und eine leichte Brise – Welcome to Canada! Anderthalb Stunden geht es durch kanadische Vorstädte und die atemberaubende Landschaft des Banff Nationalparks. Das Hotel in Banff ist ebenso typisch kanadisch – einfach liebevoll. Echte Wohlfühlatmosphäre. Nach einem traditionellen Alberta Beef Steak liegen wir mit vollen Bäuchen in unseren Betten voller Vorfreude auf unseren ersten Skitag auf Banffs Hausberg Mt. Norquay. Es ist der perfekte Warm-Up für die Beine, auch wenn das Wetter noch nicht so mitspielt. Für einen gemütlichen Spaziergang im Anschluss an den ersten Skitag durch Banffs Ski Village und die verschiedenen Geschäfte reicht die Kraft noch – die Betonung liegt auf noch.
 

Die unendliche Weite der kanadischen Rockies



Tag zwei auf der Piste – es geht nach Lake Louise. Direkt vom Hotel bringt uns der Shuttle-Bus in rund 45 Minuten in das berühmte Resort, wo uns strahlender Sonnenschein erwartet. Die top präparierten Pisten für jede Könnensstufe haben wir fast für uns alleine. Ich habe selten ein so grosses Skigebiet gesehen! Völlig platt, aber mit grossem Grinsen zwischen den Ohren sitzen wir alle im hoteleigenen Spa und können es kaum erwarten bis es morgen endlich in die CMH Lodge Bobbie Burns geht.

Rock'n'Roll

5:45 Uhr – der Wecker klingelt. Die Nacht war kurz aber hey, heute geht es endlich richtig los. Kein Packstress, denn ich habe bereits am Vorabend gepackt. Um 6:30 Uhr bringt uns der Bus direkt vom Hotel zum Helipad. Im Bus ist die Vorfreude schon deutlich zu spüren, die Stimmung ist ausgelassen bei kleinem Frühstück und Kaffee. Diese Fahrt im Morgengrauen raubt mir den Atem – Kanada ist einfach wunderschön! Am Helipad angekommen steht der imposante Helikopter schon bereit. Das Geräusch der Rotoren erwartet uns schon. Es klingt wie ein dumpfes Maschinengewehr - nur weniger unheilvoll. Der Flug in die Lodge dauert 15 Minuten und führt über Wälder, Seen und endlose menschenleere Täler. In der Lodge begrüsst uns das Team und führt uns in die gemütlichen Zimmer. Lange Zeit, um mir die Lodge anzusehen, bleibt mir trotzdem nicht. „In 15 Minuten ready für das Saftey Briefing“, heisst es. An diesem strahlenden Bluebird Tag lernen wir das richtige Verhalten rund um den Helikopter und den Umgang mit den Lawinengeräten. Safety First!

Unsere Guides, der Kanadier Grigsby, seit zehn Jahren dabei, und der Österreicher Mark heizen uns richtig ein, bevor es zum ersten Mal mit dem Heli auf den Berg geht. Und dann: Wow! Ich vergesse alles und bin nur noch geflashed von dem, was ich sehe. Der erste Drop-Off – der Heli hebt ab, der Schnee peitscht mir ins Gesicht, danach absolute Stille und eine Aussicht mehrere Kilometer weit über verschneite Gipfel und langgezogene Täler. Einen kurzen Moment versuche ich diesen Augenblick zu verinnerlichen, den ich wahrscheinlich nie mehr vergessen werde. Dann geht es los, die erste Abfahrt. Ich schwebe durch den Powder, bis zur Brust sprüht der Schnee, vorbei an Bäumen, Wächten und von Natur geformte Couloirs. Am Ende des ersten Runs überkommt mich ein Gefühl der totalen Glückseligkeit, wenn man das so sagen kann. Es ist schwer das Gefühl in Worte zu fassen. Wer schon einmal Heliski fahren war, weiss wovon ich hier schreibe. Drei weitere Runs folgen – einzigartig! Die warme Dusche im Anschluss hat sich schon lange nicht mehr so gut angefühlt. Denn es ist schweinekalt. Unsere Woche gilt als eine der kältesten Dezemberwochen seit langem. Bei -25 Grad auf dem Berg zu stehen, ist nicht gerade angenehm, aber der Schnee macht das locker wett. Der Powder ist unfassbar leicht und trocken. Er staubt auf, sobald man ihn mit seinen Kanten zum Tanzen bringt. 
 

"Full-Sendric" geniesst den Bluebird in vollen Zügen!



Selbst beim Abendessen habe ich noch immer nicht ganz realisiert, was ich hier gerade erleben darf. An den gemütlichen grossen Holztischen der Bobbie Burns Lodge bekommen wir ein reiches Buffet mit allerlei Köstlichkeiten. Später an der Bar tauschen die Gäste bei einem Drink ihre Geschichten und Erfahrungen aus – von heute, von früher oder von dem, was uns die nächsten Tage noch erwartet. Völlig erschöpft falle ich überglücklich und aufgeregt, wie ein kleines Kind an Weihnachten, in mein Bett und schlafe ein.

Die Heliskiing-Tage zwei bis fünf 

7 Uhr, noch ein wenig verschlafen schaue ich aus dem Fenster, um das Wetter zu checken. Die Sterne und der Mond sind im Morgengrauen gerade noch zu erkennen und ich werde das Gefühl nicht los: Heute wird ein Traumtag. Top motiviert geht es zum Stretching. Frühsport war noch nie mein Ding, aber ich weiss dass es wichtig ist, die Muskeln zu aktivieren – jeden einzelnen, vor allem bei der Kälte, die uns draussen erwartet. Das Frühstück ist jeden Morgen erneut eine Überraschung – es gibt immer etwas anderes. Inzwischen richtig wach und reichlich gestärkt, machen wir uns ready um den Powder in den Columbia Mountains zu finden. Der Heli hat bereits eine Gruppe ins Gebirge geflogen. Aus dem Tal dröhnt Lärm, welcher immer lauter und dumpfer zu werden scheint. Und auf einmal sehe ich die rot-weisse Bell 205, wie sie auf uns zufliegt und gerade mal zwei Meter neben mir landet. Spätestens jetzt bin ich hellwach!
 

Der erste Run der Sonne entgegen steht bevor..



Los geht’s, die ersten Runs des Tages. Die Morgensonne lässt die Hänge in einem rötlichen Licht erscheinen und ich geniesse jede Sekunde, die ich durch den Powder gleite – ein Gefühl der Schwerelosigkeit. Wieder brauche ich einen Moment und nehme einen (vielleicht auch zwei) tiefe Atemzüge, um das Ganze zu aufzusaugen. Die Berge, den Hang, den Schnee und die kalte frische Luft. Wir absolvieren sieben Runs, bevor wir uns zum Lunch auf einem sonnigen Plateau mit den anderen Gruppen treffen. Es gibt Sandwichs und herzhafte Suppen, welche uns mit reichlich Energie für den Nachmittag versorgen. Und die werden wir noch brauchen! Weiter geht’s: Sprünge über Cliffs und Pillows. Abfahrten, wie ich sie nur aus den besten Ski- und Snowboardfilmen kenne, lassen mich die Kälte schnell vergessen. Mit müden Beinen fliegen wir nach dem letzten Run des Tages zurück in die Lodge. Apéro und kühles Bier zum Empfang – selten schmeckt es so erfrischend wie heute. Auch beim Entspannen im Whirlpool auf der Terrasse reissen die Gespräche über diesen Wahnsinns-Tag mit den anderen Gästen nicht ab. Ein amerikanischer Gast berichtet von seinem spektakulären Sturz im Schnee – ausgelassenes Gelächter. Das tut gut! Nach dem Dinner falle ich abermals rundum zufrieden und k.o. ins Bett. Und ja, auch der Magen ist wieder reichlich gefüllt. Ich glaube, ich habe nach diesen Ferien etwas mehr auf den Rippen.

Aftershow

Wir waren die ersten Gäste der neuen Saison und erste Bedenken über die Schneeverhältnisse wurden schnell zerschlagen. Der Schnee lag meterhoch und durch die Kälte war er so leicht und fluffy, wie man es immer vom legendären Champagne-Powder hört. Wir absolvierten pro Tag rund elf Runs, fünf Tage am Stück. Was mich total faszinierte, neben den atemberaubenden Heliski-Tagen, war die Freundlichkeit vom Team in der Lodge und den anderen Gästen. Es spielt keine Rolle, wer du bist, woher du kommst oder was du machst - ob du Anwalt, Arzt oder Maurer bist. Es ist auch völlig egal, wie lange du auf den Trip gespart hast – alle hier verband die gleiche Liebe zum Powder und zum Schneesport. Dies kreiert einen ganz speziellen Vibe in der Lodge und lässt dich deinen Alltag komplett vergessen.

Was bleibt nun noch zu sagen? Ach ja richtig: Das war definitiv die beste Woche im Schnee, die ich je erlebt habe!