Eine Reise in den wilden Osten - Kirgistan und Kasachstan

Eine Reise in den wilden Osten - Kirgistan und Kasachstan

Anreise nach Bishkek

Meine Reise in den wilden Osten beginnt mit Turkish Airlines via Istanbul. Dieser neue Flughafen ist einfach nur riesig, topmodern und einmalig. Die Grösse merkt man mehr bei den Rollwegen der Flugzeuge, weniger bei der Sicherheitskontrolle. Diese verläuft erstaunlich schnell und unkompliziert.

Dafür ist danach das Angebot an Dutyfree Shops und Essmöglichkeiten unüberblickbar. Dieser Flughafen wird DIE Drehscheibe werden und möchte Dubai den Rang streitig machen.

Früh morgens landen wir dann am nächsten Tag in Bishkek, der Hauptstadt Kirgistans. Das Land wird auch Kirgisistan genannt und geschrieben. Man kann fast meinen, sie hätten sich noch nicht richtig entschieden, das Land ist auch noch sehr jung. Erst seit 1991 unabhängig von Russland entfaltet sich dieses spannende Land wie ein Schmetterling aus der Raupe.

 

Diese Wandlung merkt man in den Strassen und Gassen von Bishkek. Zwar hat die Stadt schon über 900'000 Einwohner, eine Grossstadt ist sie trotzdem noch nicht.

Wir entdecken die Stadt fast ausschliesslich zu Fuss und Quer durch den grossen Osch-Bazar. Ein Wimmelbuch der Gerüche und Farben.

Beim Tourismuschef erfahren wir mehr über die Entwicklung des Tourismus und die grosse Unterstützung aus der Schweiz. Das Hilfswerk Helvetas macht hier einen tollen Job. Mit vielen Projekten werden die Menschen unterstützt, sich selber zu entwickeln und sich für den Tourismus öffnen zu können. Sogar Schokolande und Käse werden hier nach Schweizer Rezept hergestellt. Ein bisschen Heimat im fernen und für uns gewöhnungsbedürftigen Osten.

Wir wohnen im Rich Hotel, ein gemütliches und einfaches Hotel im Zentrum. An die Essgewohnheiten, auch in den Hotels, müssen wir uns zuerst gewöhnen. Es gibt Kartoffeln, Reis, Salat, Suppen, immer genügend Fleisch und bei Bedarf einen Wodka oder auch einen Schwarztee.

Wer mutig ist, versucht die vergorene Milch einer Pferdestute , welche mit Salz verfeinert wird – ein wilder Ritt für die Geschmacksnerven.

Fahrt nach Tok Mok und zum Issy-Kul See

Heute fahren wir mit unseren modernen Mercedes Mini-Bussen los Richtung Kirgisische Berge.

Unser Bus war früher mal Eigentum einer Innerschweizer Firma, dort ausgemustert, hier gerne angenommen. Auch dies ist Entwicklungshilfe.

Diesen Sonntag findet in der Nähe von Tok Mok ein grosser Viehmarkt statt. Wer schon mal eine Ziege, eine Kuh, Hunde oder Katzen kaufen will, wird hier fündig. Ein Gewirr aus Auktion und Handel. Teilweise schon etwas über der persönlichen Schmerzgrenze, was die Tierhaltung angeht.

Kurz darauf halten wir am Burana Tower. Ein Relikt aus Zeiten der Seidenstrasse. Der Turm ist heute nur noch ca. 23m hoch und doch ist der Aufgang im schmalen Turm eine Herausforderung. Und ab hier wird uns klar, dass die sanitären Einrichtungen, auch bei Touristenattraktionen, nur noch sehr einfache und für einige unserer Gruppe unerwartete Ausmasse annimmt. Fliessend Wasser und «europäische» Toiletten werden ab sofort nur noch zur Mangelware.

Die Weiterfahrt zum Issy Kul See, dem zweitgrössten Bergsee der Welt (Quizfrage: welcher ist der grösste Bergsee der Welt? Ich verrate es Ihnen gerne später!) wird zur Fahrt durch wunderbare Natur, welche uns teilweise an den Gardasee, manchmal an die Schweiz erinnert.

Wir besichtigen ein Dorf, welches von der Jurten-Herstellung lebt und erfahren mehr über die Produktion dieser «gäbigen» Zelte für die Nomaden.

Bevor wir uns zur Kühlung in den See stürzen beziehen wir unser Nachtlager, ein Jurten-Camp.
Ein solches Camp erinnert mich an die Schullager-Zeit. Schliefen wir dort auch auf dem Boden und assen im Schneidersitz? Die erste Nacht in einem solchen Jurten-Zelt ist bekanntlich die Schwierigste.

Skazka Canyon und Karakol

Am nächsten Morgen, die Sonne weckt uns um halb sechs, packen wir unsere 7 Sachen wieder ein und fahren zum farbenfrohen Skazka Canyon. Nach einer inspirierenden Wanderung durch  Schluchten und über Hügel fahren wir nach Karakol, dem Tourismuszentrum in Kirgistan und der Ausgangspunkt für Trekkings, Skifahren im Winter und Besuch weiterer Jurten Camps.

Wir besichtigen auf unserer kurzen Stadtrundfahrt die hölzerne russisch-orthodoxe Kirche und die alte Moschee im Dungan-Stil, welche ohne einen Nagel gebaut wurde.

Der Rest des Tages haben wir etwas Freizeit und schlendern durch die kleine Stadt, welche gemütlich und unaufgeregt wirkt. Zum Nachtessen gibt es Wodka, Suppe und Chicken mit Reis in einem typischen kleinen Cafe. Die Bedienung ist nett und auf Russisch – an das müssen wir uns noch gewöhnen. Mit Händen und Füssen kommt man aber überall weit in der Welt.

Trekking zum Jety-Oguz Jurten Camp

Heute fahren wir ganz gespannt in die Berge nach Svetlaya Polyana und beginnen unser Trekking. Wir wandern gemütlich und mit einer schönen Mittagspause total knapp 6 Stunden über blühende Wiesen und vorbei an wilden Rhabarber. Dabei begegnen wir freilebenden Pferden und Kühen auf ihren Sommerweiden. Und hinter uns wachen die bis zu 7000 Meter hohen Berge des Tien Shan Gebirges. Der höchste Pass, den wir überqueren, ist 2800 M.ü.M. und schon kurz darauf verbringen wir auch den erholsamen Mittagshalt mit Proviant aus dem Dorf: Käse, Aprikosen und frisches Brot. Kurz nach dem nächsten Hügel erblicken wir schon unser Jurten Camp am Horizont. Romantisch am Fluss gelegen empfangt uns unser nächstes Nachtlager ca. 2 Wanderstunden später. Sogar europäische WC gibt’s hier. Das Gefühl von Luxus macht uns fast euphorisch und sogar das Duschwasser wird mit einer Holzanfeuerung für uns vorgewärmt.

Nach einem traditionellen Nachtessen, wieder am Boden im Schneidersitz, läuten wir die Vollmondnacht mit einem grossen Lagerfeuer ein…bis uns das Gewitter überrascht und uns zum Rückzug in die Schlaf-Jurten zwingt.

Grenzübertritt nach Kasachstan und Charyn Canyon

Wir frühstücken in den Jurten und das Gewitter hat sich verzogen. Der Rasen ist noch ganz nass und die Luft ist frisch. Herrlich. Wir machen unser Gepäck wieder bereit und Wandern ca. 1h30min durch eine Schlucht retour in das kleine Dorf Jety-Oguz wo unser Fahrer bereits auf uns wartet. Wieder steigen wir in den Mercedes Bus ein und hoffen, dass der Fahrer uns die dreckigen Schuhe verzeiht. Wir waren ja in der Natur… da hat er sicherlich Verständnis.

Nun wartet eine lange Autofahrt auf uns. Zuerst bis zur Grenze Kasachstans. Der Grenzübertritt ist eine Erfahrung der speziellen Art. Wir müssen aus dem Bus, einzeln den Ausreisestempel abholen und danach zu Fuss und ohne Gepäck über die entmilitarisierte Zone spazieren. Einzeln und alleine, man fühlt sich wie in einer Nordkorea-Dok Sendung oder als ein Flüchtling aus Syrien.

Das Gepäck wird von den Soldaten einzeln geprüft während ich meinen neuen Stempel beim Kasachischen Beamten abhole. Vater Staat hat hier ein genaues prüfendes Auge und so viele Schweizer-Pässe hat er seinen Äusserungen zu Folge noch nie gesehen. Es scheint, als wäre unsere Gruppe ein «Wochen-Highlight» für das stationierte Grenzkommando.

Mit den Worten: «Viel Glück» werden wir verabschiedet und der Kasachische Grenzsoldat empfängt uns salutierend und mit Welcome to Kasachstan. So habe ich persönlich schon lange nicht mehr einen Grenzübergang absolviert.

Wir fahren mit dem Mercedes weiter Richtung Charyn Canyon und im Bus herrscht eine aufgeregte Stimmung. Die ganzen Eindrücke und Erlebnisse prallen wie eine Welle auf Land.

Die Gegend verwandelt sich immer mehr in Steppe und Wüste bis wir beim Charyn Canyon ankommen. Mit einer Länge von 150km ist er der grösste Canyon Asiens, praktisch der kleinere Bruder des berühmten Grand Canyon in den USA.

Wir wandern entspannt n der Abendstimmung zu unserem Camp, ganz tief im Canyon drin und geniessen den Abend. Nicht weil es keine Toiletten und Duschen gibt, sondern weil wir heute viel Spannendes erlebt und gesehen haben.

Wanderung und lange Fahrt nach Basshi

Am frühen Morgen wandern wir aus dem Canyon hinaus. Die Morgenstimmung ist wunderbar, zuerst ist es noch etwas frisch und kühl. Mit der Sonne aber kommt sofort die heisse Luft zurück und wärmt unsere müden Körper.

Die Weiterfahrt bringt uns durch die kasachische Steppe Richtung Altyn Emel Nationalpark. Irgendwas stimmt nicht, merken wir. Fahren wir doch auf einer topmodernen Autobahn. 4-spurig, ohne Verkehr, natürlich auch ohne Schilder zu Ortschaften oder Distanzangaben, dies alleine aber irritiert uns nicht. Plötzlich hält der Fahrer und wir schauen gespannt aus dem Fenster. Wir sind an der Grenze zu China! Gemäss Google Maps wäre hier die Strasse fertig und mitten in der Pampa. Aber vor uns türmt sich eine Grossstadt mit Wolkenkratzer, wir haben uns verfahren, sind praktisch in China und Google weiss es nicht.

Was jetzt? Über die Grenze dürfen wir nicht, somit geht die Fahrt wieder zurück westlicher Richtung.
Wir haben nun knapp 3h «verloren», dafür die Grenzerfahrung China gemacht. Wir müssen das weitere Programm etwas umstellen, die Gruppe verhält sich aber super flexibel und wir heizen die Stimmung mit Musik aus dem Iphone (Huawei haben wir leider keines, Sorry China) an. Ab sofort ist unser Bus ein Party-Gefährt. Die Zeit verfliegt und wir erreichen unser Guesthouse in Basshi am frühen Abend.

Wir haben europäische Toiletten, gutes Essen und genügend Alkohol! Zu einer Fahrt in den Nationalpark reicht die Zeit heute Abend nicht mehr, wir verschieben dies auf Morgen.

Sanddünen, Sandstrände und Almaty

Tagwach ist heute bereits um 05.00h. Die Sanddünen des Altyn Emel Nationalparks warten auf uns.
Die Fahrt dauert ca. 60min und bringt uns zu den singenden Dünen und zu vielen Tieren wie Halbeseln, Gazellen und Pferden. Die Gegend erinnert mich sehr an meine Reise nach Namibia, schön dieses Gefühl wieder aufleben zu lassen. Wir besteigen die Dünen, was nicht ganz so einfach ist und geniessen die fantastische Aussicht und die warmen Sonnenstrahlen.

Nach dem genüsslichen Morgenessen geht’s auf die letzte Etappe nach Almaty, der wichtigsten touristischen Stadt Kasachstans.

Die Fahrt führt uns nach Kapchagay. Dies ist eine Badeferien Stadt der alten sowjetischen Zeit, aufgemotzt im Las Vegas Stil mit Casinos – mal was Anderes und ein Besuch wert.

Am Abend erreichen wir das Otrar Hotel in Almaty. Beste Lage neben der Flaniermeile und mit einem eigenen Biergarten. Das Hotel selber versprüht seinen nostalgischen Charme, galt es doch als das beste Hotel in der Sowjetunion.

Heimflug

Heute Morgen geht’s um 04 Uhr zum Flughafen und wieder mit der Turkish Airlines retour in den Westen. Mit tausend neuen aus Eindrücken einer anderen, bei uns fast unbekannten Welt.

 

Ps. Hier die Auflösung zum Quiz: der grösste Bergsee der Welt ist der Titicacasee in Südamerika.